Reizdarmsyndrom: Symptome, Ursachen und was Sie dagegen tun können!

Rund 55.000 Patientinnen und Patienten erhalten alleine in Österreich jährlich die Diagnose „Reizdarm“ und bleiben damit oft ratlos zurück. Denn trotz ausgeprägter Reizdarm-Symptome wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Bauchkrämpfen und Bauchschmerzen lässt sich aus medizinischer Sicht keine körperliche Ursache für die Beschwerden finden. Umso wichtiger ist es mögliche Auslöser zu erkennen und individuell passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden – hier haben sich besonders pflanzliche Lösungen sehr bewährt.
Reizdarmsyndrom: Symptome und Ursachen

Expertentalk zum Thema Reizdarmsyndrom

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom (RDS, häufig auch einfach als Reizdarm bezeichnet) ist eine Funktionsstörung des Darms, die nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen ist. Konkret bedeutet das: Reizdarmpatienten leiden oft unter unerträglichen Beschwerden, doch die Medizin findet keine organischen Auslöser dafür. Bis also die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt wird, ist der Leidensweg der Betroffenen oft schon sehr lang.

 

Diagnose: Habe ich einen Reizdarm?

Um herauszufinden, ob man selbst am Reizdarmsyndrom leidet, ist es unerlässlich den Weg zum Arzt zu gehen. Dieser ordnet meist eine Dickdarmspiegelung an, um Dickdarmkrebs oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen auszuschließen. Bei Frauen sollte eine genaue gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Auch ein Bauchultraschall von Gallenblase, Leber und Unterbauch sowie ein großes Blutbild sind Standarduntersuchungen, die unbedingt erfolgen sollten. Erst wenn alle diese Untersuchungen keine klaren Auslöser für die Beschwerden aufzeigen, kann festgestellt werden, dass ein Patient am Reizdarmsyndrom leidet.

Welche Symptome sind typisch für das Reizdarmsyndrom?

Typische Symptome für das Reizdarmsyndrom

Folgende Anzeichen könnten darauf hindeuten, dass Sie am Reizdarmsyndrom leiden:

  • Blähungen, Krämpfe und Bauchschmerzen, die zumindest drei Monate anhalten
  • Unregelmäßiger Stuhl:
    • Durchfall
    • Verstopfung
    • Durchfall und Verstopfung im Wechsel
  • Das Gefühl, dass der Darm sich nicht vollständig entleert hat
  • Völlegefühl

Welche Reizdarmtypen gibt es?

Die Symptome, die beim Reizdarmsyndrom auftreten können, sind von Patient zu Patient unterschiedlich. Deswegen unterscheidet man auch unterschiedliche Reizdarm-Typen, abhängig von den hauptsächlich auftretenden Beschwerden:

  • Obstipationstyp: Hat sehr selten Stuhlgang (nicht öfter als 3 mal pro Woche), der Stuhl ist hart und trocken
  • Durchfalltyp: Hat mehrmals täglich sehr weichen, flüssigen Stuhlgang
  • Schmerztyp: Leidet häufig unter Bauchkrämpfen und Magen-Darm-Schmerzen
  • Blähtyp: Verspürt ein häufiges Völlegefühl, fühlt sich oft schmerzhaft aufgebläht
  • Mischtypen: Hier treten die einzelnen Symptome in unterschiedlichen Ausprägungen immer wieder gemeinsam auf

Welche Ursachen hat das Reizdarmsyndrom?

Es ist bisher noch nicht gelungen, eindeutige Ursachen für den Reizdarm festzumachen – man geht daher davon aus, dass hier meist mehrere Faktoren zusammenspielen. Was man heute eindeutig weiß: Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Darm und Psyche. Nicht umsonst wird das Nervensystem im Darm – unser Bauchgefühl – auch als „zweites Gehirn“ bzw. „Bauchhirn“ bezeichnet. Stress, Angst, Hektik oder große Anspannung können also definitiv dazu beitragen, dass die Verdauung verrücktspielt und das Reizdarmsyndrom begünstigen. Umgekehrt können Bauchbeschwerden wiederum über das zentrale Nervensystem auf die Psyche wirken und so unser emotionales Wohlbefinden massiv beeinträchtigen.

Buchtipp: In ihrem Buch Darm mit Charme beschreibt die Autorin Giulia Enders den Darm als unterschätztes Organ und Schlüssel zu körperlicher und psychischer Gesundheit.

Neben psychischen Faktoren können auch andere äußere Einflüsse zum Reizdarm führen, dazu gehören etwa:

  • Medikamente, die Einfluss auf die Darmflora nehmen, wie zum Beispiel Antibiotika
  • Magen-Darm-Infektionen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Fructose, Lactose, Gluten)
  • Essverhalten und Essgeschwindigkeit

Welche Rolle spielt die Darmflora für das Reizdarmsyndrom?

Die Darmflora, die auch als Darm-Mikrobiom bezeichnet wird, hat eine wesentliche Bedeutung für die Entstehung des Reizdarmsyndroms. Man weiß heute, dass sich die Darmflora gesunder Menschen wesentlich von der Darmflora von Reizdarmpatienten unterscheidet. Verschiedenste Präparate werden am Markt angeboten, die das Ziel haben die Darmflora zu verbessern. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Studien, die diese Wirkung auch belegen würden.

Was darf ich beim Reizdarmsyndrom essen?

Leidet man unter einem Reizdarm, befindet sich das Verdauungssystem dauerhaft im Alarmzustand. Viele Patientinnen und Patienten beschäftigen sich daher eingehend mit ihrer Ernährung und beginnen bestimmte Lebensmittel zu meiden. Hier kann es sehr sinnvoll sein, ein Ernährungstagebuch zu führen und zu beobachten, bei welchen Speisen die Beschwerden stärker werden. Besonders sogenannte FODMAP-Lebensmittel stehen im Verdacht das Entstehen des Reizdarmsyndroms zu begünstigen. Eine FODMAP-Diät, bei der diese Lebensmittel gezielt gemieden werden, kann also sinnvoll sein.

Gut zu wissen: Unter FODMAP-Lebensmittel versteht man bestimmte Kohlenhydrate und Zucker, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen.

 

Ernährungstipps bei Reizdarm

  • Kauen Sie alle Mahlzeiten langsam und gut
  • Essen Sie in Ruhe
  • Verzichten Sie auf rohes Obst und Gemüse
  • Reduzieren Sie Ihren Brotkonsum und essen Sie vor allem kein frisches Brot
  • Versuchen Sie weniger Zucker und Weißmehl zu sich zu nehmen
  • Statt kohlensäurehaltiger Getränke empfiehlt sich Pfefferminztee als wohltuendes Getränk – die ätherischen Öle der Pfefferminze entspannen den Darm und wirken entblähend

Das Reizdarmsyndrom pflanzlich behandeln mit Pfefferminzöl

Das Reizdarmsyndrom pflanzlich behandeln mit Pfefferminzöl

Um das Reizdarmsyndrom zu behandeln, hat sich, speziell bei Patienten, die häufig an Blähungen und Krämpfen leiden, Pfefferminzöl sehr bewährt. Es wird sogar in der S3-Leitlinie „Reizdarmsyndrom“ hervorgehoben – einer der wichtigsten Entscheidungshilfen für Ärzte. Die Pfefferminze wird in der Naturmedizin schon seit jeher bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes eingesetzt. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass durch das Pfefferminzöl häufig die quälenden Begleiterscheinungen des Reizdarmsyndroms gelindert werden konnten. Man vermutet, dass dies am enthaltenen Menthol liegt, dass das Eindringen von Calcium in die Zellen verhindert, was zu einer entspannenden Wirkung auf die oft verkrampfte Darmmuskulatur führt. So kommt es auch zu weniger Blähungen. Zusätzlich hat Pfefferminzöl positive Effekte auf die Darmschleimhaut und das Mikrobiom.

Pfefferminztee allein reicht nicht aus

Der große Vorteil des Pfefferminzöls liegt darin, dass es auch über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden kann. Wichtig ist aber, dass das Öl unversehrt im Darm ankommt. Es sollte also am besten in magensaftstabilen Kapseln eingenommen werden, damit es nicht schon in Speiseröhre und Magen freigesetzt wird. Ansonsten kann es zu Magenreizungen, Aufstoßen oder einer Übersäuerung von Magen und Speiseröhre kommen.

Wer also die wohltuende Wirkung der Pfefferminze auf das Reizdarmsyndrom nützen möchte, kommt mit Pfefferminztee nicht weit. Man müsste mehr als 60 Tassen täglich davon trinken, da die wirkgebenden Bestandteile flüchtig sind und so nur mehr in äußerst kleinen Mengen im Tee enthalten sind. Aus diesem Grund gibt es rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke. Diese enthalten hochdosiertes, reines Pfefferminzöl, das in magensaftresistenten Weichkapseln direkt in den Darm gelangt ohne den Magen zu reizen. Dort kann es seine vielfältigen positiven Effekte entfalten. Schon nach ein bis zwei Wochen ist so ein Abklingen der Symptome möglich.

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